Evgenij Kozlov (E-E) und Hannelore Fobo im Gespräch, November 1991
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Kommentar | russischer Text Искусство будущего |
english summary |
| E-E Sämtliche neue Richtungen, die in der Kunst heute noch auftauchen, d.h. alles, was der Mensch mit den Händen gestaltet, berührt, vom Gesichtspunkt der Kunst der Zukunft aus, nur technische Fragen. Es sind Techniken des Ausdrucks, der technische Aspekt der Kunst. Die Kunst der Zukunft stellt sich nicht die Frage nach der Technik, mit deren Hilfe der Künstler etwas ausdrücken will. Für sie kommt es auf den inneren Zustand des Künstlers an, auf jenes Gefühl ..... ja, hauptsächlich ist es natürlich ein Gefühl, das es ihm ermöglicht, etwas zu empfangen, und durch das er sich innerlich etwas schafft. Anschließend erst, also an zweiter Stelle, entstehen dadurch Bilder oder sonstwas. H: Wenn auch an zweiter Stelle, so sind sie aber doch das einzige Mittel, durch das E-E: die anderen Personen dies wahrnehmen H: und daran teilnehmen können. E-E: Ja, aber wie gesagt, das kommt erst an zweiter Stelle. H: Das heißt, ausschlaggebend ist die individuelle Entwicklung des Menschen, nicht wahr? Wenn der Künstler nur fühlen und nichts davon mitteilen würde, hätte der Vorgang dann dieselbe Bedeutung? E-E: Es ist vielleicht so, dass zum jetzigen Zeitpunkt die große Masse der Menschen auf der Erde nicht fähig ist, in sich den inneren Zustand heranzumodellieren, den der Künstler in sich heranbildet, bevor er ihn anschließend durch irgendwelche Gegenstände ausdrückt, die sich außerhalb seiner selbst befinden. Mit Gegenständen meine ich zum Beispiel Papier, Leinwand, Gebäude. H: Wenn Du den Ausdruck „modellieren“ verwendest, heißt das, du tust etwas dafür, um dich in diesen Zustand zu versetzen? E-E: Den Prozess habe ich bislang noch nicht erforscht, er läuft nicht über mein Bewusstsein; ich könnte aber genausogut sagen, dass ich ihn selbst schaffe. H: Und weißt du, auf welche Art? E-E: Das Schema ist zwar im Prinzip klar, aber noch zu einfach. Vielleicht wird es ja im Laufe der Zeit noch verständlicher. Wir beide beschäftigen uns ja erst seit einem halben Jahr mit diesen Dingen. Bisher weiß ich nur, dass die Schaffung eines echten Kunstwerks so, dass es dem Zuschauer sichtbar und verständlich wird, - nur dann möglich ist, wenn man zuerst den Zustand erreicht, der sich die Kunst der Zukunft nennt. Eben dieser innere Reichtum des Verlangens und dieses innere Verlangen nach ..... Reichtum. H: Ich vermute, du bist mit diesem Verlangen auf die Welt gekommen. E-E: Nun ja. Früher war dieser Zustand nicht deutlich bestimmt. Er blieb verschwommen, war in gewisser Weise nicht greifbar. Er stellte sich unvermittelt ein, blieb eine Weile und verschwand dann wieder. Ich verstand nicht, was da vorging und wozu. Dazuhin ließ ich mich ständig von allen möglichen Dingen ablenken, die im Leben so vorkommen. Als aber dieses Modell entstand, wurde klar, was sich da abspielt. Möglicherweise sind schon früher jemandem solche Gedanken gekommen, und er hat sie nur nicht ausgesprochen. Möglicherweise hat sich dieser Vorgang bei allen so unbestimmt vollzogen. Bloß haben alle gedacht, es komme vorrangig darauf an, welches Handeln daraus entsteht, damit es für alle anderen verwertbar ist. Primär ist jedoch, was sich im Inneren des Menschen befindet. Und dabei ist wichtig, dass sich dieser innere Zustand stets aufs Neue schafft. Deswegen werden auch jedesmal ganz andere Kunstwerke daraus, die von den Menschen dann auch so verstanden werden, und deswegen ist es seltsam, warum so viele Künstler immer im selben Stil arbeiten. Vielleicht, weil sie sich prinzipiell daran orientieren, dass das Werk vom Zuschauer erkannt oder verstanden wird. Die Kunst existiert aber nicht zu diesem Zweck. Denn alles, was der Mensch mit seinem Händen schafft jedes beliebige seiner Bilder, jede seiner Zeichnungen, seiner musikalischen Anordnungen - , ist von vorneherein darauf programmiert, dass es den Menschen verständlich ist, eben weil es in eine den Menschen verständliche Form gebracht worden ist. H: Willst Du damit sagen, dass der Künstler generell gar nichts Unverständliches herstellen kann? weiter >> |